Diplomarbeit: UNESCO-Weltkulturerbe : Motor oder Bremse der Stadtentwicklung in Köln?

Eingestellt am 28. Mai 2006 um 14:16 Uhr
» Management Architektonisches Kulturerbe Denkmalpflege UNESCO-Welterbe Deutschland

Der angehende Geograph Andreas Schweitzer (andreas.schweitzer(at)gmail.com) bearbeitet im Moment am Institut für Geographie der Universität Bonn im Bereich Stadt- und Regionalforschung folgendes Diplomarbeitsthema und freut sich über Feedback:

Forschungsdesign der Diplomarbeit


PROBLEMSTELLUNG „Ist Deutschlands Weltkulturerbe in Gefahr?“ – So titelte die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung in ihrem „Thema der Woche“ vom 08.01.2006. In der Tat sind in jüngster Zeit teilweise heftige Kontroversen über das Erbe der Menschheit entbrannt. Auslöser sind oftmals geplante Bauvorhaben – etwa eine Windparkanlage nahe der Wartburg oder ein Brückenbau in Dresden über das Elbtal – die das Weltkulturerbe beeinträchtigen und vielerorts für Aufsehen sorgen. Wird der UNESCO-Weltkulturerbetitel von Hoteliers und Reiseveranstaltern noch als das Gütesiegel für Tourismus verstanden, ruft er in zahlreichen städtischen Amtsstuben oftmals ein Stirnrunzeln hervor. Die Erkenntnis, dass die Auszeichnung kein reiner Schönheitspreis ist, sondern zugleich auch Verpflichtung zum Erhalt des Schutzobjektes bedeutet, mag so manchem Verantwortlichen erst im Nachhinein bewusst werden. So weicht die anfängliche Freude über eine erfolgreiche Nominierung schon bald der Tatsache, dass sich die Stadtverantwortlichen durch einen externen Akteur in ihrer Planungshoheit eingeschränkt sehen.

Die Stadt Köln traf es am 05. Juli 2004: „Kölner Dom auf Roter Liste“. Recht nüchtern übertitelte der Kölner Stadt Anzeiger die Entscheidung des Welterbe-Komitees, die Kathedrale aufgrund der geplanten rechtsrheinischen Hochhausbebauung als erstes europäisches Bauwerk auf den Index der bedrohten Kulturgüter zu setzen – die UNESCO sieht die visuelle Integrität des Kölner Doms gefährdet. Bei einigen Beteiligten schlug die Nachricht jedoch schnell hohe Wellen der Entrüstung, Kritik und Vorwürfe.

Die besondere Problematik ergibt sich aus der konfliktbehafteten Konstellation zwischen Denkmalschutz und Stadtentwicklung. Zu den Aufgaben der Stadtentwicklung gehören zugleich die Wahrung städtischer Funktionen als auch die Belange des Denkmalschutzes. Letzterer wird jedoch häufig als Hindernis der wirtschaftlichen Entwicklung verstanden – insbesondere dann, wenn sich eine Großstadt wie Köln im internationalen Städtewettbewerb profilieren muss. Scheinbar lässt sich der Schutzgedanke der UNESCO nur schwerlich mit den wirtschaftlichen Interessen von Stadt und Investoren in Einklang bringen. Zugleich spiegelt sich darin auch eine städtebauliche Debatte, die ihren Augenmerk auf das Stadtbild richtet: Der geplante Bau von Hochhäusern in einer historisch gewachsenen Stadt eckt nicht nur bei den Verantwortlichen, sondern auch bei den Bürgern an.

ZIEL DER UNTERSUCHUNG Die Diplomarbeit will den Interessenskonflikt in der Kölner Hochhausdebatte beleuchten, die beteiligten Akteure identifizieren und deren Motive bzw. Positionen differenzieren. Daraus lassen sich Chancen und Probleme ableiten, die sich aus dem Status des Weltkulturerbes ergeben und Konsequenzen für die Stadtentwicklung nach sich ziehen. Diese können in weiterführende Planungsansätze bzw. Kommunikationswege einfließen.

METHODIK Die methodische Vorgehensweise baut auf qualitativen Akteurinterviews auf. Für die komplexe Fallanalyse sind die Gesprächsinformationen der entsprechenden Experten bzw. Schlüsselpersonen unabdingbar. Hierzu zählen unter anderem Vertreter der Stadt Köln (Rat der Stadt Köln, Stadtplanungsamt, Konservator, …), der UNESCO und ihren beratenden Organisationen sowie der Dombauverwaltung. Ferner werden Investoren und Tourismusvertreter einbezogen. Gestützt wird dieses Vorgehen durch eine Medien- und Materialanalyse der lokalen und überregionalen Presse sowie von Akteneinsicht.


Blick auf Hochhaus und Dom
Blick auf Hochhaus und Dom (Bild: DPA)


Blick auf den Kölner Dom vom gegenüberliegenden Rheinufer
Blick auf den Kölner Dom vom gegenüberliegenden Rheinufer (Bild: ISKRA)

Hochhaus und Dom
Hochhaus und Dom (Bild: WDR1)

Kölner Dom als landschaftsprägendes Element
Der Kölner Dom als landschaftsprägendes Element (Bild: Andreas Schweitzer)

Autor: Andreas Schweitzer


Pingbacks

  1. 30. Sitzung des UNESCO-Welterbekomitees: Entscheidung für Köln und Dresden wegen Roter Liste - Worldheritage Forum

Kommentare

  • Rainer Dieckhoff aus BRD/NRW schrieb am 19.02.2007:

    Sehr geehrter Herr Schweitzer,

    mein Name ist Rainer Dieckhoff und ich bin Student der Universität Bonn. Zur Zeit bearbeite ich im Rahmen eines Oberseminares, mit dem Titel "Regionale Inwertsetzung" (bei Prof. Schenk), ein ähnliches Thema und wäre sehr erfreut mehr über ihren Standpunkt und ihre Forschungsergebnis zu erfahren.

    Falls ihrerseits Interesse besteht können sie mich unter der unten angegeben e-mail Adresse ereichen. Alternativ bin ich noch unter der Festnetznummer 0228/6888900 erreichbar.

    Mit freundlichen Grüßen

  • pompini schrieb am 06.06.2007:

    sono eccitato circa questo luogo, buon lavoro!:)

  • Thomas aus Regensburg in Bayern schrieb am 02.06.2008:

    Das Thema ist sehr interessant und wie ich finde passend. Ich hoffe, die Ergebnisse sind Ihren Vorstellungen entsprechend ausgefallen.

Dein Kommentar

Wie benutze ich BBcode?